Wenn Bewohner Vorbehalte haben

Warum der erste Eindruck nicht über die Zukunft entscheidet

 

Es gibt Situationen, über die im Alltag vieler Pflegeeinrichtungen nur ungern gesprochen wird.

Eine internationale Pflegefachkraft beginnt ihren ersten Arbeitstag. Fachlich ist sie gut vorbereitet. Sie spricht Deutsch, kennt die Abläufe und freut sich auf ihre neue Aufgabe. Doch schon in den ersten Stunden sagt ein Bewohner oder eine Bewohnerin:

“Von Ihnen möchte ich nicht gepflegt werden.”

Für die Pflegefachkraft ist das ein schwerer Moment. Für die Einrichtung ebenfalls. Denn plötzlich geht es nicht mehr um Sprache, Dokumentation oder Dienstpläne. Es geht um Vertrauen.

Solche Situationen sind selten angenehm. Sie gehören aber zur Realität vieler Einrichtungen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob sie auftreten, sondern wie man damit umgeht.

 

Vorbehalte entstehen selten aus persönlicher Ablehnung  

 

Wer diesen Moment erlebt, könnte schnell zu dem Schluss kommen, dass es um die Person selbst geht.

In den meisten Fällen stimmt das jedoch nicht.

Viele ältere Menschen haben ihr gesamtes Leben in einer vergleichsweise homogenen Umgebung verbracht. Sie hatten kaum Berührungspunkte mit Menschen aus anderen Kulturen. Im hohen Alter verändern sich Gewohnheiten nur noch langsam. Hinzu kommen Erkrankungen wie Demenz oder andere kognitive Einschränkungen, die Unsicherheit zusätzlich verstärken können.

Was zunächst wie Ablehnung wirkt, ist deshalb häufig vor allem eines: Unsicherheit gegenüber etwas Unbekanntem.

Das macht die Situation für die betroffene Pflegefachkraft nicht leichter. Es hilft aber dabei, sie richtig einzuordnen.

 

Vertrauen entsteht nicht am ersten Tag  

 

Vertrauen wächst selten durch Erklärungen.

Es wächst durch Erfahrungen.

Viele Einrichtungen berichten, dass Bewohnerinnen und Bewohner, die anfangs skeptisch waren, nach einigen Wochen gezielt nach derselben Pflegefachkraft fragen. Sie erleben Fürsorge, Verlässlichkeit und fachliche Kompetenz. Mit jeder Begegnung verliert das Unbekannte an Bedeutung.

Am Ende zählt nicht, wo jemand geboren wurde.

Am Ende zählt, wie dieser Mensch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern umgeht.

Genau deshalb lohnt es sich, schwierige erste Begegnungen nicht überzubewerten.

 

Vorbereitung beginnt lange vor der Einreise  

 

Wenn internationale Pflegefachkräfte nach Deutschland kommen, wird häufig über Sprachkenntnisse gesprochen.

Sprache ist wichtig.

Sie allein reicht aber nicht aus.

Ebenso wichtig ist die Vorbereitung auf Situationen, die sich nicht aus einem Lehrbuch lernen lassen.

Wie reagiere ich, wenn ein Bewohner mich ablehnt?

Wie bleibe ich ruhig?

Wie hole ich Kolleginnen und Kollegen hinzu?

Wie spreche ich respektvoll über Vorbehalte, ohne sie persönlich zu nehmen?

Diese Fragen gehören aus unserer Sicht genauso zur Vorbereitung wie pflegerisches Fachvokabular oder Dokumentation.

Denn wer solche Situationen vorher durchgesprochen und in Rollenspielen erlebt hat, geht deutlich sicherer damit um.

 

Auch Einrichtungen können viel vorbereiten  

 

Vorbereitung endet nicht mit der Ankunft der neuen Kollegin oder des neuen Kollegen.

Auch das Team spielt eine wichtige Rolle.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • neue Mitarbeitende aktiv vorstellen

  • Bewohnerinnen und Bewohner frühzeitig informieren

  • Kolleginnen und Kollegen als feste Ansprechpersonen benennen

  • bei schwierigen Situationen nicht die neue Pflegekraft alleinlassen

  • gemeinsam reflektieren, was gut funktioniert hat und was verbessert werden kann

Gerade die ersten Wochen entscheiden oft darüber, wie sicher sich neue Mitarbeitende fühlen.

Ein unterstützendes Team kann hier den entscheidenden Unterschied machen.

 

Aus Unsicherheit kann Vertrauen werden  

 

Viele Einrichtungen machen dieselbe Erfahrung.

Der schwierigste Moment ist oft der erste.

Nach einigen Wochen entstehen Beziehungen, gemeinsame Routinen und persönliche Gespräche. Bewohner erleben den Menschen hinter der Uniform. Pflegefachkräfte lernen die Biografien der Bewohner kennen.

Aus Distanz wird Nähe.

Aus Unsicherheit entsteht Vertrauen.

Das gelingt nicht immer sofort. Aber deutlich häufiger, als man zunächst vermuten würde.

 

Was das für Einrichtungen bedeutet

  

Internationale Pflegefachkräfte sind längst ein wichtiger Bestandteil der pflegerischen Versorgung in Deutschland.

Mit ihrer Ankunft beginnt jedoch nicht nur ein neuer Arbeitsvertrag.

Es beginnt ein Prozess des gegenseitigen Kennenlernens.

Dieser Prozess braucht Zeit, Begleitung und Geduld auf allen Seiten.

Wer neue Kolleginnen und Kollegen gut vorbereitet und gleichzeitig Bewohnerinnen, Bewohner und Teams mitnimmt, schafft die besten Voraussetzungen dafür, dass aus einem schwierigen ersten Eindruck eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entsteht.

Denn am Ende entscheidet nicht der erste Satz.

Sondern das tägliche Miteinander.

 

Hinweis zur Bildgestaltung: Das Titelbild dieses Beitrags wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt.

Das Projekt der people2help gGmbH wird aus Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) kofinanziert.

 

 

 

Bild von Thorsten Pritz

Thorsten Pritz

Experte für Integration internationaler Fachkräfte
Mentoring & Ressources

 

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Wir helfen indischen Pflegekräften, Deutsch zu lernen, in Deutschland anzukommen und ihren Traumberuf mit Kompetenz und Herz auszuüben.

Ob Sprachkurs, Anerkennung oder Orientierung im Alltag – wir begleiten dich persönlich und zuverlässig auf jedem Schritt deines Weges.

 

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