Diese Woche haben die people2help gGmbH und das CII Rahul Bajaj Centre of Excellence on Skills einen Letter of Intent unterzeichnet. Vereinbart ist der gemeinsame Aufbau einer deutschen Sprachschule in Indien, die Pflegekräfte gezielt auf eine Tätigkeit im deutschen Gesundheitswesen vorbereitet. Eine Einordnung zu Inhalt, Hintergrund und Bedeutung.
Was wurde vereinbart
Die Absichtserklärung sieht den gemeinsamen Aufbau einer Sprachschule in Indien vor, die indische Pflegefachkräfte strukturiert auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf drei inhaltliche Schwerpunkte.
Integriertes Deutschtraining. Die Sprachausbildung soll nicht isoliert stattfinden, sondern den Pflegekontext von Beginn an einbeziehen. So entsteht Einsatzbereitschaft vom ersten Tag an in der Einrichtung.
Strukturen für faire und nachhaltige Mobilität. Aufbau langfristiger, transparenter Strukturen zwischen Indien und Deutschland, die für beide Seiten tragfähig sind: für die Pflegekräfte selbst und für die aufnehmenden Einrichtungen.
Capacity Building. Die Anschlussfähigkeit indischer Pflegekräfte an globale Standards des Gesundheitswesens, mit klarem Blick auf den deutschen Markt.

Warum die Sprache entscheidet
Aus der Erfahrung mit internationalen Pflegekräften wissen wir: Wer in Deutschland nicht ankommt, scheitert selten am Beruf. Sondern an der Sprache. Im Stationsalltag, im Gespräch mit Patientinnen und Patienten, im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, in der Dokumentation. Sprache ist nicht ein Aspekt unter vielen, sondern die zentrale Voraussetzung dafür, dass aus Qualifikation tatsächlich Einsatzfähigkeit wird.
Wer erst nach der Einreise mit dem Sprachlernen beginnt, verliert wertvolle Monate. Wer dagegen mit einem soliden Sprachniveau und einer Vorbereitung auf den deutschen Pflegealltag in Deutschland ankommt, kann schneller einsatzfähig werden. Das ist für die Pflegekräfte selbst eine deutlich bessere Erfahrung und für die aufnehmenden Einrichtungen eine spürbare Entlastung.
Genau deshalb verlagert die Partnerschaft mit der CII einen wesentlichen Teil der Vorbereitung dorthin, wo sie am wirkungsvollsten ist: ins Herkunftsland.
Wer ist die CII
Die Confederation of Indian Industry (CII) ist in Indien das, was der BDI in Deutschland ist, nur deutlich größer aufgestellt. Sie zählt zu den einflussreichsten Wirtschaftsverbänden des Landes und repräsentiert direkt und indirekt mehr als 300.000 Unternehmen, von kleinen und mittleren Betrieben bis zu Konzernen wie Tata, Reliance oder Infosys.
2023 leitete die CII als B20-Sekretariat den globalen Wirtschaftsdialog während Indiens G20-Präsidentschaft. Sie spielt eine zentrale Rolle bei internationalen Wirtschafts- und Fachkräftepartnerschaften zwischen Indien und Europa. Das Rahul Bajaj Centre of Excellence on Skills ist eines ihrer spezialisierten Zentren, mit Schwerpunkt auf Aus- und Weiterbildung.
Mit anderen Worten: Diese Partnerschaft entsteht nicht in einer Nische, sondern auf höchster Ebene des indischen Industrieverbandswesens.
Eingebettet in eine wachsende deutsch-indische Kooperation
Die Vereinbarung fügt sich in einen größeren politischen Rahmen ein. Im Januar 2026 hatten Deutschland und Indien eine bilaterale Absichtserklärung zur fairen Anwerbung von Pflegekräften unterzeichnet. Damit wurde Indien zum politisch abgesicherten Kooperationsland in einem zunehmend bedeutsamen Feld.
Der Bedarf in Deutschland ist erheblich. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts werden bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte fehlen. Das Beschäftigungswachstum in der Pflege wurde laut Bundesagentur für Arbeit drei Jahre in Folge ausschließlich von ausländischen Pflegekräften getragen. Strukturierte und faire internationale Rekrutierung ist damit nicht mehr Ergänzung, sondern Voraussetzung.
In diesem Kontext ist die Partnerschaft mit der CII mehr als ein bilaterales Projekt. Sie ist ein Baustein einer langfristigen Strategie, die auf Qualität und Verlässlichkeit setzt, statt auf kurzfristige Lösungen.
Was das konkret bedeutet
Für deutsche Einrichtungen entsteht mit dieser Partnerschaft eine zusätzliche Quelle für strukturiert vorbereitete Pflegekräfte. Wer mit Pflegekräften aus dem Programm arbeitet, kann mit höherer Planbarkeit rechnen, weil die zentralen Hürden bereits vor der Ankunft adressiert werden: Sprache, fachliche und kulturelle Vorbereitung.
Für indische Pflegekräfte, die Deutschland als Karriereperspektive in Betracht ziehen, entsteht eine zusätzliche, qualitätsgesicherte Vorbereitungsstruktur. Sprachunterricht, fachliche Inhalte und kulturelle Orientierung kommen aus einer Hand und sind vom Tag eins auf den deutschen Pflegealltag zugeschnitten.
Dank und Ausblick
Die Unterzeichnung des Letter of Intent ist ein wichtiger Schritt, aber natürlich kein Endpunkt. In den kommenden Monaten geht es darum, die Strukturen aufzubauen, die curricularen Inhalte zu definieren und das operative Setup vor Ort zu etablieren.
Unser Dank gilt allen, die das möglich gemacht haben: Sougata Roy Choudhury und Navonil Das vom CII, Sandhya Sharma von Crosslink Education Consulting sowie Annika Jäger aus unserem people2help-Team. Und natürlich Jan Ebben und Jaikanth Singh, die diese Partnerschaft mit großer Energie und großem Einsatz vorangetrieben haben.
Das Projekt „Pflegefachkräfteeinwanderung aus Indien” der people2help gGmbH wird aus Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) kofinanziert.
Holger Lange
Geschäftsführer
people2help gGmbH


















