B1 – reicht das für die Pflege in Deutschland?

Einordnung für Arbeitgeber im Gesundheitswesen

Beim Einsatz internationaler Pflegekräfte kommt eine Frage immer wieder auf:

Reicht ein Sprachniveau B1 aus, um in der deutschen Pflege zu arbeiten?

Die kurze Antwort lautet: Nein.

Die längere Antwort ist differenzierter – und genau darum geht es in diesem Beitrag.

Was bedeutet B1 überhaupt?

Das Sprachniveau B1 beschreibt eine fortgeschrittene Grundkompetenz:

  • einfache Gespräche sind möglich

  • Alltagssituationen können bewältigt werden

  • grundlegende Informationen werden verstanden

  • eigene Bedürfnisse können formuliert werden

B1 bedeutet jedoch nicht, dass jemand bereits sicher in einem fachlich komplexen Arbeitsumfeld kommunizieren kann.

 

Warum B1 für die Pflege nicht ausreicht

Der Pflegealltag in Deutschland stellt hohe sprachliche Anforderungen:

  • Übergaben mit medizinischen Fachbegriffen

  • Rückfragen an Ärztinnen und Ärzte

  • Dokumentation von Pflegehandlungen

  • Kommunikation mit Patientinnen, Patienten und Angehörigen

  • situationsabhängige Entscheidungen unter Zeitdruck

Diese Anforderungen gehen deutlich über das hinaus, was mit B1 abgedeckt ist.

 

Warum B2 der gesetzliche Standard ist

Für die Anerkennung als Pflegefachkraft in Deutschland ist B2 gesetzlich vorgeschrieben.

Das hat einen klaren Hintergrund:

  • B2 ermöglicht differenziertere Ausdrucksweise

  • komplexere Zusammenhänge können verstanden und erklärt werden

  • fachliche Kommunikation wird verlässlicher

  • Missverständnisse im Arbeitsalltag werden reduziert

B2 ist damit keine formale Hürde, sondern ein Qualitäts- und Sicherheitsfaktor.

 

Was Arbeitgeber realistisch wissen sollten

Für Einrichtungen ist wichtig, B1 richtig einzuordnen:

  • B1 ist kein Ziel, sondern ein Zwischenschritt

  • Entscheidend ist nicht nur das Zertifikat, sondern die Lernkurve

  • Manche Kandidaten entwickeln sich sprachlich sehr schnell, andere langsamer

  • Frühzeitige fachsprachliche Begleitung kann den Übergang zu B2 deutlich erleichtern

 

Ein Zertifikat allein sagt wenig darüber aus, wie gut jemand im Pflegealltag kommunizieren wird.

 

Sprache ist mehr als ein Sprachniveau

In der Praxis zeigt sich immer wieder:

Nicht das Niveau auf dem Papier entscheidet über den Erfolg, sondern:

  • Lernfähigkeit

  • Motivation

  • kontinuierliche Übung

  • fachbezogene Sprachvermittlung

Pflege erfordert Sprache – jeden Tag, in jeder Schicht.

 

Fazit

B1 reicht für die Pflege in Deutschland nicht aus.

Es ist jedoch ein sinnvoller Einstieg, wenn klar ist, dass:

  • B2 das notwendige Ziel ist

  • die sprachliche Entwicklung aktiv begleitet wird

  • Arbeitgeber realistische Erwartungen haben

Sprache ist kein Nebenthema, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor für Integration und Patientensicherheit.

 

 

Bild von Thorsten Pritz

Thorsten Pritz

Experte für Integration internationaler Fachkräfte
Mentoring & Ressources

 

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